Witness bei Schülerprotesten: so filmen Sie die Polizei am 31. Oktober
Fünfzehn Minuten Vorbereitung am Vorabend und ein paar Handgriffe vor Ort.
Für Samstag, den 31. Oktober 2026, sind in Deutschland Schülerproteste in mehreren Städten angekündigt. Diese Seite erklärt Schritt für Schritt, wie Sie Witness einrichten und nutzen, um Polizeieinsätze zu filmen, ohne sich zu gefährden oder jemanden zu behindern, und was mit Ihren Aufnahmen geschieht, wenn man Ihnen das Telefon abnimmt. Vorab die deutsche Besonderheit: Witness nimmt immer auch Ton auf, und der ist hier das rechtliche Risiko.
Kurz gesagt. Vor dem 31. Oktober 2026: Verbinden Sie in Witness einen Cloud-Speicher, machen Sie eine Testaufnahme von 30 Sekunden und prüfen Sie, ob die Datei ankommt, benennen Sie einen Notfallkontakt, richten Sie den Schnellstart ein, stellen Sie einen sechsstelligen Code ein und laden Sie auf 100 Prozent. Entscheiden Sie vorher über den Ton: Witness nimmt immer Ton auf, und § 201 StGB stellt die Aufnahme des nichtöffentlich gesprochenen Wortes unter Strafe. Vor Ort: am Rand bleiben, Abstand halten, nichts behindern. Termine und Treffpunkte können sich ändern: Prüfen Sie am Vortag.
Was angekündigt ist
Nach Presseberichten, Stand 26. Oktober 2026. Aufrufe in sozialen Medien sind oft unzuverlässig. Prüfen Sie Ort und Uhrzeit am Vortag bei den Veranstaltern und bei der örtlichen Versammlungsbehörde oder Polizei.
- Samstag, 31. Oktober: Schülerproteste unter dem Motto „Gen Z steht auf“ beziehungsweise „Gen Z regelt“, je nach Quelle in 21 bis 23 Städten, darunter Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt und mehrere bayerische Städte (News4teachers, nd, Tagesspiegel).
- Polizei: Die Berliner Polizei bereitet sich auf einen umfangreichen Einsatz vor (Tagesspiegel). Die Hamburger Polizei bereitet laut Medienberichten einen Großeinsatz vor, und ein Innenminister kündigte laut Soester Anzeiger starke Polizeipräsenz an. Nach Angaben der Veranstalter sollen die Demonstrationen friedlich bleiben, und sie lehnen Gewalt ab.
- Unsicherheit: Laut Tagesspiegel lag für zahlreiche Städte noch keine Anmeldung vor, in Berlin war zunächst keine Versammlung registriert, und in sozialen Medien kursieren verschiedene Uhrzeiten und Treffpunkte sowie KI-generierte Bilder. Der Tag fällt auf Halloween.
- Zahlen: Nach Angaben der Initiative auf ihrer Website hatten sich mehr als 10.000 Menschen für Demonstrationen in 21 Städten angemeldet. Diese Zahl ist nicht überprüft (News4teachers).
Wir ergreifen weder für die Forderungen noch für die berichteten Gewaltvorwürfe auf einer der Seiten Partei. Nicht angemeldete Versammlungen können rechtliche Folgen haben: Verlassen Sie sich nicht auf anonyme Nachrichten, sondern auf Angaben der Veranstalter und Behörden.
Witness in 15 Minuten einrichten, am Vorabend
Witness muss bereit sein, bevor Sie es brauchen: Vor Ort bleibt keine Zeit, ein Konto zu verbinden.
- Entscheiden Sie über den Ton. Witness nimmt immer Bild und Ton auf und hat keine Einstellung, die das Mikrofon abschaltet. Wenn Sie wegen § 201 StGB ganz ohne Ton arbeiten wollen, ist Witness derzeit das falsche Werkzeug. Im Zweifel fragen Sie vorher eine Anwältin oder einen Anwalt.
- Installieren und zu Hause öffnen. Erlauben Sie Kamera und Mikrofon. Der Standort ist freiwillig: Lehnen Sie ihn ab, funktioniert alles andere weiter.
- Verbinden Sie Ihren Speicher. Google Drive, Dropbox, Nextcloud oder WebDAV. Solange das nicht erledigt ist, verlässt nichts das Telefon.
- Benennen Sie einen Notfallkontakt. Bei Google Drive oder Dropbox erhält er automatisch Zugriff auf jede Aufnahme. Bei WebDAV gibt es keine automatische Freigabe: Geben Sie den Ordner selbst frei.
- Richten Sie den Schnellstart ein. iPhone: Action-Taste (iPhone 15 Pro und neuer), Widget auf dem Sperrbildschirm oder Siri-Phrase. Android: Kachel in den Schnelleinstellungen, Widget auf dem Startbildschirm oder Assistenten-Kurzbefehl.
- Üben Sie das Beenden. Dreimal tippen, dann gedrückt halten. Das ist absichtlich umständlich, damit es nicht versehentlich oder durch Entreißen des Telefons ausgelöst wird. Die App führt Sie beim ersten Start einmal durch.
- Testen Sie 30 Sekunden. Aufnehmen, beenden, dann Ihren Speicher öffnen und prüfen, ob die Datei angekommen ist. Das ist der häufigste Fehler, und nur Nachsehen verhindert ihn.
- Sechsstelliger Code, Akku 100 Prozent, Powerbank. Ein Code statt Face ID oder Fingerabdruck. Filmen im überlasteten Netz mit laufendem Upload ist der schlimmste Fall für den Akku.
Vor Ort
- Starten Sie früh, bevor sich die Lage zuspitzt: Der Upload läuft während der Aufnahme, eine Minute Material ist also schon teilweise gesichert.
- Der Bildschirm bleibt schwarz. Das Telefon wirkt inaktiv. Beim iPhone bleibt die grüne iOS-Anzeige sichtbar, bei Android erscheint eine Benachrichtigung: Beides lässt sich nicht verbergen.
- Bleiben Sie am Rand, mit Abstand und sichtbarem Telefon, behindern Sie keinen Einsatz und folgen Sie rechtmäßigen Aufforderungen, den Ort zu verlassen.
- Wenn das Netz überlastet ist, warten die Abschnitte auf dem Telefon und gehen los, sobald wieder Verbindung besteht. Nichts wird gelöscht, bis Ihr Speicher den Empfang bestätigt, und wenn die Warteschlange zurückfällt, sendet Witness zuerst eine kleine Kopie in niedriger Auflösung jedes Abschnitts, damit während des Ereignisses etwas ankommt.
- Nach dem Beenden öffnen Sie Ihren Speicher und prüfen, ob alles angekommen ist.
Das Recht, in Kürze
Bild ohne Ton ist bei einem Polizeieinsatz in der Öffentlichkeit grundsätzlich erlaubt. Ton ist das eigentliche Risiko: § 201 StGB stellt die Aufnahme des nichtöffentlich gesprochenen Wortes unter Strafe, die Tat ist schon mit der Aufnahme vollendet, und die Grenze ist in der Rechtsprechung nicht einheitlich. Sich einem Einsatz körperlich in den Weg zu stellen kann als Widerstand gewertet werden. Eine mündliche Aufforderung zum Löschen hat ohne richterlichen oder staatsanwaltschaftlichen Beschluss keine Rechtsgrundlage. Einzelheiten und Quellen stehen auf der Seite Polizei filmen: was ist erlaubt? und im Leitfaden zu Schüler- und Studentenprotesten. Das ist keine Rechtsberatung.
Wo Leitfäden voneinander abweichen
Der Leitfaden Filmer la police : avant, pendant, après von Index (französische Organisation für digitale Recherche, aktualisiert am 15. Oktober 2026, auf Französisch) gibt teils andere Ratschläge als wir. Hier sind die Unterschiede und unsere Einschätzung.
- Laut sprechen. Index rät, nichts zu kommentieren, damit die Tonspur festhält, was die Beamten sagen, und Sie nicht identifiziert. Andere Leitfäden raten, an wichtigen Stellen Uhrzeit und Ort zu nennen. Unsere Sicht: Wenn Sie fürchten, dass Ihre Stimme Sie identifiziert, schweigen Sie. Wenn Sie sprechen, beschränken Sie sich auf die Uhrzeit und das, was Sie sehen. Witness nimmt in jedem Fall Ton auf, und in Deutschland ist Ton das rechtliche Risiko.
- Standort. Index rät, GPS nicht einzuschalten. Witness trägt den Standort in das Beweisketten-Protokoll jeder Aufnahme ein, wenn Sie es erlauben, und bindet das Material so an einen Ort. Sie können den Standortzugriff ablehnen, alles andere funktioniert weiter. Entscheiden Sie das vor dem Tag.
- Live-Übertragung. Index rät davon ab, live zu filmen. Witness sendet nichts öffentlich: Es schickt private Abschnitte in einen Speicher, der Ihnen gehört. Das ist etwas anderes als eine öffentliche Live-Übertragung.
- Worin alle Leitfäden übereinstimmen: mehrere Meter Abstand halten, weit filmen mit einem sichtbaren Orientierungspunkt, keinen digitalen Zoom nutzen, das Telefon quer halten, das Original nie verändern, zu mehreren aus verschiedenen Winkeln filmen und nicht sofort veröffentlichen.
Nach der Demonstration
- Verändern Sie das Original nicht. Arbeiten Sie an einer Kopie, wenn Sie verpixeln wollen.
- Veröffentlichen Sie nicht sofort. Geben Sie das Material zuerst einer Anwältin, einem Anwalt oder einer Rechtshilfeorganisation.
- Verpixeln Sie Minderjährige und Unbeteiligte vor jeder Veröffentlichung.
- Bewahren Sie den ganzen Sitzungsordner auf: Videos, Manifest und Zeitstempel-Nachweis, mit OpenSSL prüfbar ohne die App (Seite auf Englisch).
Fragen
Wann sind in Deutschland die nächsten Schülerproteste?
Für Samstag, den 31. Oktober 2026, sind bundesweit Schülerproteste unter „Gen Z steht auf“ beziehungsweise „Gen Z regelt“ angekündigt. Orte und Uhrzeiten waren zuletzt widersprüchlich: Prüfen Sie sie am Vortag bei den Veranstaltern und Behörden.
Wie richte ich Witness vor einer Demonstration ein?
Verbinden Sie einen Cloud-Speicher, benennen Sie einen Notfallkontakt, richten Sie den Schnellstart ein, üben Sie das Beenden (dreimal tippen, dann gedrückt halten), testen Sie 30 Sekunden und prüfen Sie, ob die Datei ankommt. Entscheiden Sie vorher über den Ton.
Nimmt Witness Ton auf, und ist das in Deutschland ein Problem?
Witness nimmt immer Ton auf und hat keinen Schalter dafür. Nach § 201 StGB ist die Aufnahme des nichtöffentlich gesprochenen Wortes strafbar, und die Grenze ist umstritten. Wer ganz ohne Ton arbeiten will, für den ist Witness derzeit das falsche Werkzeug. Das ist keine Rechtsberatung.
Sind meine Aufnahmen sicher, wenn man mir das Handy abnimmt?
Was schon hochgeladen war, liegt in Ihrem Speicher. Witness sendet alle 15 Sekunden einen Abschnitt, der laufende und wartende Abschnitte bleiben auf dem Telefon.
Darf ich bei einer Demonstration die Polizei filmen?
Bild ohne Ton ist grundsätzlich erlaubt. Sich einem Einsatz körperlich in den Weg zu stellen kann als Widerstand gewertet werden. Das ist keine Rechtsberatung.
Richten Sie Witness vor dem 31. Oktober ein und testen Sie es
Die App ist kostenlos auf iPhone und Android. Richten Sie sie ein und testen Sie sie, bevor Sie sie brauchen.
Quellen
- News4teachers, Behörden beobachten Aufrufe zu Schülerprotesten
- News4teachers, Schülerprotest zu Halloween: Polizei warnt vor Ausschreitungen
- Tagesspiegel, Berliner Polizei bereitet sich auf umfangreichen Einsatz am 31. Oktober vor
- Soester Anzeiger, Droht am 31. Oktober eine Eskalation wie in Frankreich?
- nd, Schülerproteste: Berliner Polizei analysiert die Lage
Weitere Leitfäden dieser Reihe
- Polizei filmen bei Schüler- und Studentenprotesten
- Handy-Checkliste für Demonstrationen: 10 Schritte, bevor Sie die Polizei filmen
- Polizei verlangt, das Video zu löschen oder das Handy abzugeben
- Wenn Ihr Kind zu einer Demonstration geht: so bereiten Sie sein Handy vor
- Auflösung einer Versammlung filmen: was Sie aufnehmen sollten
- Eine Festnahme bei einer Demonstration filmen: Abstand, Kennzeichnung, Minderjährige
- Studentische Journalistinnen und Journalisten: Demonstrationen sicher filmen
- Nach der Demo: wem Sie Material zum Polizeihandeln geben können
Verfasst am 26. Oktober 2026. Termine und Orte ändern sich, und das Recht auch. Dies ist keine Rechtsberatung.